Doch sie gaben mir Kraft.
Den Willen zu leben.
Heute kroch ich wieder zu einer dieser Pfützen. Mein Körper zitterte so stark, dass ich kaum wusste, ob ich vor Durst oder Angst bebte.
Kaum noch Kraft. Kaum in der Lage, mich zu bewegen.
Hunger und Durst so gross, dass ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte.
Mit zitternden Gliedern kroch ich weiter, bis ich die Pfütze erreichte. Ich tauchte mein Gesicht direkt in das schlammige Wasser und trank.
Mir war egal, was darin war.
Hauptsache, es hielt mich am Leben.
Wie konnte mir das nur passieren?
Oder besser gesagt, was ist mir eigentlich widerfahren?
Jeden Tag über, spielte ich alles immer wieder in meinem Kopf ab. Ich versuche mich zu erinnern, doch alles geschah so schnell.
Die Angreifer habe ich kaum gesehen, meine Erinnerungen sind nur bruchstückhaft.
Immer wieder rissen sie ab.
Wie Fäden, die man zu fest angezogen hatte.
Es war ein Samstagnachmittag.
Ich war draussen beim Zelten, nicht weit von meinem Zuhause entfernt. Da ich nahe der deutschen Grenze, am Rande des Schwarzwalds wohne, zog es mich oft in diesen Wald.
Der Wald war der einzige Ort, an dem mein Kopf still wurde.
Ich brauchte Ruhe.
Von den Nachbarn.
Vom Leben.
Zurzeit wohne ich nicht gerade, in einer ruhigen Gegend.
Mein Psychiater meinte, es würde mir helfen, wenn ich aus dem Haus komme und ein Hobby pflege. So könnte ich meine innere Unruhe besser kontrollieren und meine langjährigen Schlafprobleme.
Seit Jahren kann ich kaum schlafen.
Meine Wohnung ist nicht gross, doch zum Leben reicht sie. Aber die Wände, sind dünn wie Pergament.
Entweder, erwache ich wegen eines Flüsterns in meinen Träumen. Dasselbe Flüstern, das ich jetzt auch hier hörte.
Oder die Schreie, das Fluchen des Nachbarn, die hindurchdrangen.
Als stünden wir im selben Raum.
Er tobte oft im Treppenhaus herum, wenn er wieder einmal zu viel von irgendeinem Pulver genommen hatte. Dann schlug er mit einem Schneidebrett gegen das Geländer und brüllte wie ein Tier im Käfig.
Worauf mich der Wald rief.
Ich habe vieles ausprobiert: Krafttraining, tägliche Spaziergänge, Lavendeltee, Meditation …
Bisher mit mässigem Erfolg.
Ich bin auch nicht gerade der geselligste Typ, eher introvertiert.