Kapitel 1
Die Zelle unter dem Berg
Ich bin seit Tagen in diesem dunklen, feuchten Raum gefangen.
Zumindest glaube ich, dass es Tage sind.
Es ist stockfinster.
Die Dunkelheit liegt so dicht auf mir, dass ich manchmal meine eigenen Hände nicht mehr spüre. Langsam glaube ich nicht mehr daran, lebend von hier zu entkommen.
Ein beissender Gestank erfüllt die Luft. Eine Mischung aus nasser Erde, Urin, Fäkalien und verrottenden Ratten.
Ich atme flach, um nicht würgen zu müssen.
Keine Fenster.
Nur tropfende Felsen, kalte Wände und dieser modrige Geruch.
Der Boden unter mir ist hart, doch stellenweise weich, erdig … fast lebendig.
Wenn ich zu lange stillliege, bilde ich mir ein, dass er sich bewegt.
Ich denke, ich bin in einer Höhle, tief unter einem Berg.
Sicher bin ich mir jedoch nicht.
Die Höhle ist klein.
Zu klein.
Ich bin ungefähr ein Meter dreiundsiebzig gross. Die Höhle muss also noch niedriger sein.
Ein Verlies?
Ich weiss es nicht …
Als ich mich beim ersten Versuch aufzurichten streckte, schlug ich mir schmerzhaft, den Schädel an der Decke.
Doch der Schmerz war willkommen. Er erinnerte mich daran, dass ich noch existiere.
Auf der anderen Seite, kaum zu erkennen, liegt ein massiver Felsblock.
Wohl eine Tür. Oder besser gesagt, die einzige.
Meine Augen haben sich inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt.
Überlebt habe ich, indem ich Insekten und tote Ratten gegessen habe.
Ich kaue langsam.
Nicht aus Ekel.
Sondern um den Hunger zu betrügen.
Getrunken habe ich aus Pfützen. Ein fauliges Gemisch aus Wasser und … wer weiss, was noch.
Wie lange bin ich schon hier?
Tage?
Wochen?
Ich habe schon längst das Zeitgefühl verloren.
Die ständige Dunkelheit und die Erschöpfung brachten mich oft dazu, ans Aufgeben zu denken.
Doch immer, wenn ich kurz davor war, das Bewusstsein zu verlieren, hörte ich eine weibliche, sanfte Stimme tief in mir.
Die Worte konnte ich nie genau verstehen.