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Viele Freunde habe ich nicht.
Mein Haar ist rot-rostig, lang, und ich falle mit meiner Persönlichkeit oft aus der Reihe.
Das war schon immer so.

Doch dann, als ich das Campen für mich entdeckte, ging es mir besser.

 

An diesem Samstagnachmittag packte ich meine Sachen:
mein Handy, das Zelt, den Schlafsack, ein paar Würste für das Feuer und meine neue Wasserflasche.

Ein Geschenk meiner Mutter, bevor sie von uns ging.

Die Wasserflasche war aus Metall, schlicht, doch mit einer Gravur, die im Licht der Nachmittagssonne silbern schimmerte:
Leothar.

Ein Name, den mir meine Mutter gab, weil er nach etwas Altem klang.
Nach Stärke, vielleicht.
Er bedeutet mutiges Herz, starker Hüter.

Ich selbst hielt ihn immer für zu lang. Zu heldenhaft für jemanden wie mich. Die meisten nennen mich einfach Leo.

Natürlich nahm ich auch eins meiner Bücher mit.

Diesmal «Nordische Mythen und Sagen». Ein Band, den ich schon unzählige Male gelesen habe.

Ich wusste nicht genau warum, mich diese alten Geschichten so fesselten. Vielleicht, weil sie mich an etwas erinnerten, das ich nie erlebt habe.
Oder … an eine Zeit, die ich vielleicht vermisste.
Ich wusste es nicht.

Mein Messer steckte griffbereit an der Seite meines Rucksacks, daneben das Feuerzeug.
Ich wollte Holz sammeln, Feuer machen und in die Flammen blicken.

Und vielleicht, nur für einen Moment, das Flüstern in meinen Träumen vergessen.

Das immer lauter wurde.

Manchmal glaubte ich, ein Wort zu verstehen in diesem Flüstern:
Velmorith.

Welche Sprache es war, oder was es bedeutete, konnte ich bisher nicht herausfinden.

​

Als ich aufbrach, war der Tag schön und friedlich.

Kaum eine Wolke am Himmel.

Am Waldrand angekommen, überkam mich ein mulmiges Gefühl, als stünde die Luft unter Spannung.

Diesmal wollte ich tiefer in den Wald gehen, um niemandem zu begegnen.

Auf meinem gewohnten Wanderpfad betrachtete ich die gewaltigen Bäume und den moosbedeckten Boden, der von den Sonnenstrahlen in ein weiches Licht getaucht wurde.

Es wirkte nicht fremd.
Eher so, als wäre ich schon einmal hier gewesen.

Der Wald war alt.
So alt, dass man die Geschichten, die man sich über ihn erzählte, beinahe spüren konnte.

Ich lief zwischen den Bäumen und genoss die Stille dieses gewaltigen Ortes.

Schliesslich erreichte ich eine Burgruine.

Beliebt bei Touristen und Wanderern.

Von dort oben hatte man einen atemberaubenden Blick über die Weite des Schwarzwalds.

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