top of page

Oder glaubte es zumindest.

Mein Verstand weigerte sich, es in diesem Moment zuzuordnen. Als hätte jemand versucht, eine Erinnerung tief in mir zu vergraben.

Um so mehr ich über dieses Zeichen nachdachte, wie mehr bekam ich ein druck in meinem Kopf.

Ich fuhr mit den Fingern über die eingeritzten Linien.

Der Stein fühlte sich warm an. Wärmer als der Rest des Felsens.

Und für einen Moment.

Nur einen winzigen Moment, glaubte ich, ein leises Flüstern zu hören:

 

«Velmorith.»

 

Wieder dieses Wort.

Und dieselbe Stimme wie in meinen Träumen.

Diesmal ganz nah an meinem Ohr. Erschrocken drehte ich mich um.

Doch da war nichts.

Nur der Bach, der weiter plätscherte, und die Bäume, die sich kaum merklich im Wind wiegten. Die Umgebung um mich herum wirkte seltsam schimmernd.

Ich schob es auf das Spritzwasser des kleinen Wasserfalls und das Sonnenlicht, das sich darin brach.

Mehr dachte ich mir dabei nicht.

Ich beschloss, mich auf dem Hügel auszuruhen, neben dem Felsen, und einfach die Natur zu geniessen.

​

Für einen Moment muss ich eingenickt sein. 

Als ich wieder aufwachte, dämmerte es bereits.

Ich stand auf und machte mich auf den Weg zurück zum Zeltplatz. Die Bäume wirkten anders als zuvor.

 

In der Nacht verändert der Wald sein Gesicht.

 

Ich ignorierte das Gefühl und ging weiter. Dann kroch ein schauriger Schauer über meinen Körper. Ich schüttelte mich, als hätte mich eine eiskalte Böe gestreift.

Wieder diese Spannung in der Luft.
Elektrisch.
Unruhig.

Ich lief schneller. Immer schneller. Mein Herz pochte. Es war, als würden Körper und Geist mich vor etwas warnen. Ich kannte dieses Gefühl. Es war nicht das erste Mal. 

Und jedes Mal, wenn es auftauchte, geschah kurz darauf etwas Schlimmes.

Einmal, mit achtzehn, wollten ein paar Freunde mit mir in einen Klub. Ich mochte so etwas eigentlich nicht, doch an diesem Abend dachte ich:

Warum nicht?

Damals hatte ich genau dieselbe Vorahnung.

Kurz darauf, wurde einer meiner Freunde angeschossen. Seit zwei Jahren liegt er im Koma.

 

Und jetzt, war es wieder da.

Dasselbe Gefühl.

 

«Etwas stimmt nicht.»

 

Die Luft fühlte sich an, als wäre sie elektrisch aufgeladen. 

 

Etwas Schreckliches würde bald geschehen. 

 

Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los.

Ich rannte los. So schnell ich konnte. 

Der Wald wurde auf einmal still. Kein Zirpen. Kein Rascheln.

Nichts.

 

Warum war ich noch nicht am Zeltplatz? So weit hatte ich mich doch gar nicht entfernt.

 

Ich blieb stehen und sah mich um. Da bemerkte ich es. Ich war nicht mehr im selben Wald wie zuvor. Die Bäume wirkten älter. 

Viel älter. Viel dicker.

Dann spürte ich es im Nacken. Dieses unangenehme Ziehen, als würde mich jemand beobachten.

Ich rannte weiter.

Panisch diesmal. Mein Herz raste. Mein Mund stand offen. Meine Augen waren weit aufgerissen.

 

«Ich muss hier weg.»

​

bottom of page